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Hörtest beim HNO: Ablauf und was das Audiogramm zeigt

Woran man eine Hörminderung bemerkt

Selten am Lautstärkeregler. Häufiger an diesen Situationen:

  • Gespräche in lauter Umgebung – Restaurant, Familienfeier – werden anstrengend
  • Sie hören, dass jemand spricht, verstehen aber nicht was
  • Andere sprechen angeblich undeutlich
  • Der Fernseher läuft lauter, als andere es angenehm finden
  • Sie hören das Telefon oder die Türklingel überhört

Der zweite Punkt ist typisch: Hohe Töne gehen zuerst verloren, und in ihnen stecken die Konsonanten. Vokale bleiben hörbar – die Sprache wirkt vorhanden, aber undeutlich.

Der Ablauf

1. Ohrmikroskopie. Der Gehörgang wird begutachtet. Manchmal ist die Ursache schlicht ein Pfropf aus Ohrenschmalz – dann endet die Untersuchung nach der Entfernung.

2. Tympanometrie. Gemessen wird, wie beweglich das Trommelfell ist. Das zeigt, ob Flüssigkeit im Mittelohr steht oder die Belüftung über die Ohrtrompete gestört ist.

3. Tonaudiometrie. In einer schallarmen Kabine hören Sie Töne verschiedener Frequenzen, deren Lautstärke variiert wird. Sie geben jedes Mal ein Zeichen, wenn Sie etwas wahrnehmen – auch wenn es sehr leise ist. Gemessen wird für jedes Ohr getrennt, über Kopfhörer (Luftleitung) und über einen Schwinger hinter dem Ohr (Knochenleitung).

4. Sprachaudiometrie. Sie hören Zahlen und Wörter und wiederholen sie. Das misst, was im Alltag zählt: nicht ob Sie Töne hören, sondern ob Sie Sprache verstehen.

Dauer insgesamt etwa 20 bis 30 Minuten.

Das Audiogramm lesen

Die Kurve hat zwei Achsen: waagerecht die Tonhöhe (links tief, rechts hoch), senkrecht die Lautstärke, die Sie mindestens brauchen – nach unten wird es schlechter.

Eine Kurve nahe der oberen Linie bedeutet normales Hören. Je weiter sie absinkt, desto lauter muss es sein, damit Sie etwas wahrnehmen.

Die entscheidende Information liegt im Vergleich der beiden Kurven:

  • Luft- und Knochenleitung fallen gemeinsam ab → das Innenohr ist betroffen (Schallempfindungsstörung), etwa bei Altersschwerhörigkeit oder Lärmschaden
  • Knochenleitung normal, Luftleitung abgesenkt → das Problem liegt im äußeren Ohr oder Mittelohr (Schallleitungsstörung), etwa bei Pfropf, Erguss oder Otosklerose

Das ist mehr als eine Feinheit: Schallleitungsstörungen sind häufig gut behandelbar.

Ein typisches Muster ist die Senke bei etwa 4.000 Hertz – ein Hinweis auf Lärmschädigung.

Wenn ein Hörgerät infrage kommt

Die Kasse übernimmt eine Versorgung, wenn die Hörminderung ausreichend ausgeprägt ist und der Nutzen belegt wird. Der Weg: HNO-Praxis stellt fest und verordnet, der Hörakustiker passt an, die HNO-Praxis prüft das Ergebnis ab.

Zwei Punkte, die Geld sparen:

  1. Sie haben Anspruch auf eine aufzahlungsfreie Versorgung, die Ihre Hörminderung ausgleicht. Lassen Sie sich solche Geräte ausdrücklich zeigen und testen.
  2. Aufzahlungen für höherwertige Modelle sind zulässig, müssen aber schriftlich vereinbart werden – und die Differenz zählt nicht auf die Belastungsgrenze.

Nutzen Sie die Probephase ernsthaft: im Restaurant, am Telefon, im Straßenverkehr. Ein Gerät, das nur im ruhigen Anpassraum überzeugt, überzeugt nicht.

Dass sich die eigene Stimme zunächst fremd anhört, ist normal und legt sich. Gewöhnung braucht Wochen.

🔴 Wann es dringend ist

Sofort die 112, wenn zu Hörproblemen kommt:

  • Lähmung, Sprachstörung, hängender Mundwinkel
  • Doppelbilder, plötzliche Gangunsicherheit
  • heftiger Drehschwindel mit Erbrechen und neurologischen Zeichen

Ein plötzlicher Hörverlust mit Schwindel kann Zeichen eines Schlaganfalls sein.

Zeitnah in die HNO-Praxis (innerhalb weniger Tage):

  • plötzlicher einseitiger Hörverlust ohne erkennbaren Grund
  • neu aufgetretener Tinnitus, besonders einseitig
  • Ohrenschmerzen mit Fieber, Ausfluss oder Schwellung hinter dem Ohr
  • Hörverlust nach einem Knalltrauma oder lautem Ereignis

Außerhalb der Sprechzeiten hilft 116 117 weiter.


Dieser Beitrag erklärt Untersuchungsabläufe allgemein. Er ersetzt keine ärztliche Beratung; Befund und Behandlung klärt Ihre HNO-Praxis.

HÄUFIGE FRAGEN
Wie läuft ein Hörtest ab?
Zuerst wird der Gehörgang begutachtet, oft ergänzt durch eine Messung der Trommelfellbeweglichkeit. Dann folgt die Tonaudiometrie in einer schallarmen Kabine: Sie hören Töne verschiedener Höhe und Lautstärke über Kopfhörer und geben jedes Mal ein Zeichen, wenn Sie etwas wahrnehmen. Häufig kommt ein Sprachtest dazu. Insgesamt dauert das etwa 20 bis 30 Minuten.
Was ist der Unterschied zwischen Luft- und Knochenleitung?
Bei der Luftleitung läuft der Schall den normalen Weg über Gehörgang, Trommelfell und Mittelohr. Bei der Knochenleitung wird das Innenohr über einen Schwinger hinter dem Ohr direkt angeregt. Weichen beide Kurven voneinander ab, liegt die Ursache im äußeren Ohr oder Mittelohr; verlaufen sie gemeinsam abgesenkt, betrifft es das Innenohr.
Ab wann bekomme ich ein Hörgerät auf Rezept?
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt eine Hörgeräteversorgung, wenn eine ausreichend ausgeprägte Hörminderung ärztlich festgestellt und der Nutzen belegt ist. Sie haben Anspruch auf eine aufzahlungsfreie Versorgung, die Ihre Hörminderung ausgleicht. Höherwertige Geräte sind möglich, dann tragen Sie die Differenz selbst.
Ist ein Hörsturz ein Notfall?
Ein plötzlicher einseitiger Hörverlust sollte zeitnah ärztlich abgeklärt werden, üblicherweise innerhalb weniger Tage. Kommen Schwindel, Lähmungserscheinungen, Doppelbilder oder Sprachstörungen hinzu, wählen Sie sofort die 112 – dann muss ein Schlaganfall ausgeschlossen werden.